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BY 2018 Huckenham Foto: Georg Stahlbauer

Kapelle Huckenham

Wer sich Bayerbach vom Westen her nähert, entdeckt schnell den uralten Kirchenbau mit niedrigem Turm und unverputztem Back- und Bruchsteinmauerwerk – das Margarethenkirchlein zu Huckenham. Die Huckenhamer Kirche ist eines der ältesten Baudenkmäler Niederbayern.

Die Kir­che war bereits um 1200 erst­mals urkund­lich erwähnt. Sie dien­te damals den Edlen von Hugin­hem“ als Schloss­ka­pel­le. Aus die­ser Zeit ist auch bekannt, dass es mit der Pfarr­kir­che von Birn­bach ver­ei­nigt wur­de. Zur Pfar­rei Bay­er­bach, der es heu­te ange­hört, wech­sel­te es erst 1897.

Das heu­ti­ge Aus­se­hen des Got­tes­hau­ses wur­de in den Jah­ren um 1450 wesent­lich geprägt und unter Mit­be­nut­zung der roma­ni­schen Bau­ele­men­te nach Osten erwei­tert sowie im goti­schen Stil umge­baut. Auch mit dem heu­ti­gen Rip­pen­ge­wöl­be soll es zu die­ser Zeit ver­se­hen wor­den sein. Als roma­ni­sche Bestand­tei­le wur­den die Süd­mau­er mit ihren schieß­schar­ten­ähn­li­chen Fens­tern, viel­leicht auch die Nord­mau­er des Schiffs bei­be­hal­ten. 1468 erfolg­te die Ein­wei­hung der so umge­bau­ten Kirche.

Knapp 200 Jah­re spä­ter, zur Zeit des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges, soll die Kir­che von den Schwe­den in Brand gesteckt wor­den sein. Eine Inschrift am Bund­werk des Dach­stuhls mit der Jah­res­zahl 1674 lässt auf einen Wie­der­auf­bau zu die­ser Zeit schlie­ßen. Der frü­he­re spit­ze Turm­helm wur­de durch eine baro­cke Hau­be ersetzt. Aus die­ser Zeit, 1670 bis 1680, stammt der heu­ti­ge Haupt­al­tar. Mög­li­cher­wei­se wur­de der frü­he­re goti­sche Altar durch den Brand in Mit­lei­den­schaft gezo­gen. Ein­zel­ne Figu­ren vom goti­schen Altar schmü­cken wei­ter­hin das Kirch­lein und sind bis heu­te erhal­ten geblie­ben. Von einer goti­schen Glas­ma­le­rei im Chor­fens­ter, wel­che die hei­li­ge Katha­ri­na dar­stellt, ist heu­te lei­der nur noch eine Kopie erhal­ten, das Ori­gi­nal wur­de 1908 ver­äu­ßert, für gan­ze 5 Mark. Auch eine spät­go­ti­sche Madon­na wur­de 1908 ver­kauft, konn­te aber wie­der zurück­ge­bracht werden.


Anfang des 19. Jahr­hun­derts war der Fort­be­stand des Kirch­leins arg gefähr­det. Zwar wur­de es von der Säku­la­ri­sa­ti­on ver­schont, da es kei­nem Klos­ter zuge­hör­te, jedoch brach­te am 16. Juli 1806 ein Sturm die Kup­pel des Kirch­turms zum Ein­sturz. Da die Kir­che aus den Ertrag­nis­sen des eige­nen Ver­mö­gens nach Mei­nung des könig­li­chen Rent­am­tes zu Gries­bach für eine Repa­ra­tur des Turms nicht imstan­de gewe­sen wäre, bean­trag­te es den Ver­kauf der Kir­che. Wei­ter wur­de fest­ge­stellt, dass das Kirch­lein ganz ent­behr­lich und abzu­bre­chen war. Da auch der Pfar­rer der Mut­ter­kir­che Birn­bach die­sen Plä­nen zustimm­te, schien der Abbruch besie­gelt zu sein. Das Ver­mö­gen des Kirch­leins wur­de dem gänz­lich mit­tel­lo­sen Pfarr­got­tes­haus zu Utt­lau ein­ver­leibt. Am 28. April 1807 war es dann soweit. Das Kirch­lein wur­de für 110 Gul­den an Pfar­rer Nor­bert Pech­mann von Utt­lau ver­stei­gert, der das ein­zi­ge Gebot abge­ge­ben hat­te. Gleich­zei­tig über­nahm er damit die Auf­la­ge, die Kir­che zu demo­lie­ren“. Das Abbruch­ma­te­ri­al soll­te zum Bau eines Schul­hau­ses in Birn­bach ver­wen­det werden.

Mit dem Tod von Pfar­rer Pech­mann, der, nie an einen Abbruch dach­te, ging die Zeit der recht­mä­ßi­gen Besit­zer der Kir­che zu Ende. In der Fol­ge küm­mer­te sich der dama­li­ge Mes­ner in vor­bild­li­cher Wei­se um das Bau­werk. Er ließ auf eige­ne Kos­ten sogar ein Pflas­ter aus Soll­n­ho­fer Plat­ten hin­ein­ver­le­gen. Die Turm­spit­ze erhielt einen neu­en Dach­stuhl. Mit Schneidschin­deln ein­ge­deckt. Fünf Bau­ern aus der Umge­bung küm­mer­ten sich frei­weil­lig um den Unter­halt, reno­vier­ten die Kir­che im Jah­re 1827, und lie­ßen im Jahr 1838 sogar eine neue Glo­cke mit der Inschrift S. Mar­ga­re­tha ora pro nobis – Der Gemein­de Hucken­ham gehö­rig“ gie­ßen. Bei­de Glo­cken sind nicht mehr vor­han­den. Sie fie­len den Ablie­fe­run­gen der Welt­krie­ge zum Opfer.

Mit Beginn des 20. Jahr­hun­derts woll­te kei­ner für den Unter­halt des Kirch­leins auf­kom­men, ja es wur­de viel­mehr als stö­rend und über­flüs­sig emp­fun­den. So lehn­ten im Jah­re 1910 die Nach­kom­men jener fünf Bau­ern, die im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert für das Kirch­lein gesorgt hat­ten, jeg­li­che Aus­ga­ben zum Unter­halt ab. Der Ver­fall mach­te wei­te­re Fort­schrit­te, und nach dem Aus­bruch des ers­ten Welt­krie­ges fand im Jah­re 1914 das vor­läu­fig letz­te Mess­op­fer statt. Vie­le Jah­re war der Bau ver­schlos­sen und es trat eine unvor­stell­ba­re Ver­wahr­lo­sung ein. In die­ser Zeit kam der Abbruch­ge­dan­ke erneut zum Tra­gen. Am 21. Novem­ber 1922 beschloss die Kir­chen­ver­wal­tung den Abbruch des alt­ehr­wür­di­gen Kirch­leins. Doch am Streit um den Erlös aus dem Abbruch des Kirch­leins, für das seit Jah­ren nie­mand mehr etwas tun woll­te, sowie an der Regie­rung von Nie­der­bay­ern, beson­ders aber dem Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge, schei­ter­te die­ses Vor­ha­ben. Für die not­wen­di­gen Reno­vie­rungs­ar­bei­ten am Dach – nur ca. 700 Biber­schwanz­zie­gel waren dazu nötig – woll­te aller­dings nie­mand auf­kom­men. Mit einem Zuschuss des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums von 300 Gold­mark konn­ten die wich­tigs­ten Repa­ra­tu­ren aus­ge­führt wer­den und der Abbruch abge­wandt wer­den. Ein Antrag auf Abbruch wur­de 1931 noch­mals gestellt. Die Gemein­de Bay­er­bach woll­te aus dem Abbruch­ma­te­ri­al ein Lei­chen­haus bau­en, doch auch die­sen Angriff über­stand das Kirchlein.

Nach dem Krieg konn­te 1949 der dama­li­ge Kreis­bau­meis­ter und spä­te­re Land­rat Wink­ler einen Staats­zu­schuss zur Behe­bung der drin­gends­ten Gebäu­de­schä­den erwir­ken. Die Abbruch­ge­sprä­che frü­he­rer Jah­re waren zu die­ser Zeit erneut in Fluß gera­ten. Ein Jahr­zehnt spä­ter, in den Jah­ren 1957 bis 1960, wur­de auf Initia­ti­ve des dama­li­gen Keis­hei­mat­pfle­gers Gol­ler aus Bad Gries­bach eine umfang­rei­che Instand­set­zung durch­ge­führt. Der Turm erhielt einen neu­en Dach­stuhl mit Turm­kreuz, Mau­er­ris­se wur­den aus­ge­bes­sert und neu ver­putzt. In einem unvor­stell­ba­ren Zustand der Ver­wahr­lo­sung befand sich der Innen­raum. Die bei­den Altä­re und die Kan­zel sowie die schö­nen Figu­ren aus der drit­ten Kunst­epo­che wur­den neu gefasst, Türen, Chor­ge­stühl und Orgel­em­po­re abge­beizt und reno­viert. Schließ­lich wur­de das Kirch­lein mit einer neu­en Glo­cke ver­se­hen. Am 25. Novem­ber 1960 konn­te die Glo­cke zum ers­ten Got­tes­dienst nach 25 Jah­ren rufen. In den nächs­ten Jahr­zehn­ten bemüh­te sich der Trach­ten­ver­ein um die Rein­hal­tung der Kir­che. Doch der Zahn der Zeit nag­te wei­ter an den alten Gemäu­ern. Um es vor dem erneu­ten Ver­fall zu schüt­zen, ent­wi­ckel­te der Trach­ten­ver­ein Bay­er­bach in den 80er Jah­ren die Initia­ti­ve zur erneu­ten Reno­vie­rung. Mit beschei­de­nen Mit­teln begann man die drin­gends­ten Schä­den zu behe­ben. Vie­le frei­wil­li­ge Hel­fer opfer­ten ihre Freizeit. 

Das Patro­zi­ni­um der Mar­ga­re­then­kir­che wird am 20. Juli gefeiert.

Aus Sicher­heits­grün­den ist der Innen­raum der Mar­ga­re­then­kir­che in Hucken­ham zur Zeit lei­der nicht zugänglich.

BY 2015 Huckenham Foto: Johann Lehner